Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Wahnsinn’

Ich mache gerade meine erste Pause und dachte, dass ich die Gunst der Stunde nutze, um einen Blogeintrag zu diesem Tag anzulegen, den ich immerhin wieder status-esque Updaten werde.

Bisher lief alles vorbildlich. Um 7 Uhr auf Anhieb aus dem Bett gekommen und nach der Dusche Kaffee gekocht, um pünktlich um 8 mit meinem ersten Buch Gossamer von Lois Lowry begonnen (derzeit auf Seite 105 von 160). Leichtes Futter, da ich mir den schweren Stoff für Uhrzeiten vollständiger Wachheit aufhebe.
Da ich kein wirklich großer Fan von Statistiken bin (Oh, sieh‘ mal, ich habe schon 67% dieser Seite gelesen und während ich das ermittelt habe 37,8% des Inhalts vergessen. Auf lange Sicht extrapoliert, heißt das dass[…]) und in meiner Zeitrechnung bei stündlichen Aktionen von jeder Stunde noch bestenfalls 50 Minuten übrigbleiben (eine Meinung, die ich spätestens ab 22 Uhr über die Planke schicken werde, wenn Übermüdung und Trägheit eintritt), werde ich euch in regelmäßigen Updates an meinem Tagesablauf teilhaben lassen. Die ganzen kleinen Handgriffe und Nebensächlichkeiten, wenn ich heute gerade kein Buch in der Hand habe.
Im nächsten Update um 3: Warum Tofu dein Freund ist.
15 Uhr (30): Ich habe mittlerweile mein erstes Buch durch und es war ein angenehmer Einstieg. Ich habe weiterhin eine Schwäche für Bücher von Lois Lowry, auch wenn es Kinderbücher sind und ich vermutlich langsam aus dem Alter raus sein sollte. Sie haben schlichtweg etwas Faszinierendes an sich in ihrer Klarheit und auch in ihrem, manchmal sehr anstrengenden, Positivismus. Gerade in Gossamer ist mir wieder aufgefallen: Schlechte Menschen (oder Dinge überhaupt) bei Lowry werfen mit Schimpfwörtern um sich und haben Gewehre – Gute Menschen sind immer gelassen, verlieren fast nie die Fassung und es ist ihnen nie etwas Schlimmes widerfahren (außer durch schlechte Menschen. Mit Gewehren z.B.). Aber wie schon gesagt, es ist ein Kinderbuch und somit vermutlich.. nunja, nicht notwendig, aber zumindest angemessen.
Mittlerweile stecke ich Mitten in Prince of Stories, einer erzählenden Werksbiografie über Neil Gaiman, und vergnüge mich ganz großartig mit den Anekdoten und Hintergrundinformationen.
Ich nutze meine letzten zwanzig Minuten Pause aus, um mir eine der Fragen aus dem Lovely Books Blog vorzunehmen.
Wer bist Du und warum machst Du beim Read-a-thon mit?
Ich bin Marc, aber Namen haben ja bekanntlich nicht viel zu sagen. Ich bin Germanistikstudent im Endstadium (auch bekannt als Arbeitslosenlarve) und empfinde ein gehöriges Chili con Carne an Gefühlen für alles, was sich um Wort, Schrift und Sprache dreht. Ob es nun ums Lesen, eigenes Schreiben oder um Linguistik und Typografie geht. Auch schlicht (moment, wieso eigentlich schlicht?) das gesprochene Wort, Kommunikation, Rollenspiels und das Gefühl etwas nicht mit Worten sagen zu können und es doch zu müssen. Vierundzwanzig Stunden Lesen sehe ich als die Gelegenheit, mich mal wieder mit der Fähigkeit betraut zu machen, lange Zeit ohne Unterbrechungen und Zeitdruck zu lesen. So einfach ist das.
Aber Tofu. Wir müssen wirklich mal über Tofu reden.

Unbearbeiteter Tofublock aus dem Asiamarkt

Tofu ist dein Freund - es spricht sogar mit dir, wenn du genau hinsiehst.

Ich bin ja eigentlich überzeugter Fleischverzehrer und alles andere als auf dem Gesundheitstrip. Aber Tofu. Ungelogen eine dieser ergreifenden Entdeckungen aus dem letzten Jahr. Ich kannte es vorher aus asiatische Restaurants, in denen es meist als geschmacklose grenzgummierte Substanz daherkommt. Doch seit ich aus einer Laune heraus diese Substanz selbst mariniert und zubereitet habe bin ich der festen Überzeugung: Tofu ist dein Freund.

Fertig aus der Pfanne.

Schmeckt nicht "nach nichts", sondern wie du es dir wünschst.


Tofu ist nicht nur immer für dich da, wenn du es aus einem anständigen Asialaden gekauft hast (und nicht diesen schäbigen überteuerten Kautschukmüll aus dem Supermarkt). Es ist auch immer genau das, was du gerade brauchst. So ziemlich jede Mischung aus Kräutern, Ölen und Gewürzen, die ich bisher ausprobiert habe, bringt genau diesen Geschmack heraus. Es ist wie ein weicher hilfbereiter Geschmackabsorber.
Deshalb: Liebe dein Tofu so wie du später von ihm geliebt werden möchtest. Es lohnt sich.
20 Uhr: Ob nun Halbzeit oder Climax, bevor es dramatisch abwärts gen Katastrophe geht – es ist acht Uhr und ich bin nach (mehr oder minder) 12 Stunden lesen noch ziemlich fit.
Das Buch meines Vertrauens ist immer noch Prince of Stories, doch ich werde, sobald ich mit dem Kapitelkomplex über The Sandman durch bin, wieder zu einem fiktiven Text wechseln. Die weiteren 400 Seiten Metatext reizen mich gerade nicht so gravierend. Eine Geschichte, statt einer Geschichte über Geschichten, ist langsam wieder angebracht. Vermutlich ist das Mittel meiner Wahl hierbei Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt von Haruki Murakami, doch wie schon zuvor entscheide ich eher spontan.
Mein Lesestil ist weiterhin (und wie immer) ruhig und gemächlich, doch überraschenderweise fühlt es sich gar nicht ungewohnt an entgegen meines Alltag „nur“ zu lesen, statt in Intervallen.
Zeit für noch eine Frage: Welche Bücher nimmst Du mit in den Marathon und warum?

Die Waffen meiner Wahl


Ich habe mir vorher keinen Plan gemacht, welche Bücher ich lesen werde, sondern einen Stapel an Optionen am Abend zuvor aus den Regalen gegriffen, aus denen ich heute auswählen würde. Ich will nicht alle Bücher im Detail nennen (etwas mühselig und fadenscheinig), aber es sind einige Kinder- und Jugendbücher, größtenteils von Lois Lowry, zwei Bücher von Murakami (oben genanntes und Kafka am Strand) und andere gut verdauliche Belletristik dabei. Daneben auch ein paar eher wissenschaftliche Bücher (z.B. ein Lehrband zur Philosophie des Geistes hrsg. von Thomas Metzinger), falls mir danach sein sollte. Sprich, falls mich der Arbeitswahn packt, tatsächlich etwas zu lesen, dass ich lesen muss. Ja.. gute Theorie.. Ähm, jedenfalls; die Gründe dürften durchscheinend sein: Abwechslung. Möglichst viele Optionen bei der Hand haben ohne großartig danach suchen zu müssen.
3 Uhr: Irgendwie sind die letzten.. 4 Stunden Lesen in so etwa 50 Seiten versunken, was teilweise an Murakamis Schreibstil, teilweise an einer gerade sehr müden Phase meiner biologischen Extension liegt. Nebenbei war da noch irgendwo eine Stunde Abendessen. Mir fallen nicht einmal die Augen zu oder ich bin erschöpft, aber.. nunja, nachlassende Konzentration schraubt das Lesetempo runter und den Fokus auf das Gelesene hoch. Fühle mich gerade recht eins mit meinem Buch. (Nicht auf die Art, bei der mein Kopf in den Buchseiten liegt.) Aber vielleicht sind das auch einfach die bisher ~8 Liter Tee, die da sprechen.
Zeit für eine weitere Frage(, die ich gerade recht passend finde): Wie hältst Du Dich 24h lang für das Lesen fit – welche Vorbereitungen hast Du getroffen?
Mein „Fitnessprogramm“ folgt dem unerschütterlichen Quadrat von Fruchtsaft, Koffein (bzw. Teein), Frischluft und nervenzerstäubender Musik (Chiptune und Growl Metal). Außerdem versuche ich regelmäßig den Leseplatz zu wechseln, um mich nicht an einem Ort zu sehr einzuheimeln und die Atmosphäre zu verändern.
Ich habe mich nicht wirklich auf die Aktion vorbereitet. Eigentlich habe ich nur meinem Freundeskreis gesagt, dass sie sich gefälligst zum Teufel scheren sollen, diese Bastarde ich dieses Wochenende nicht zur Verfügung stehe und mich somit von der Außenwelt abgemeldet. Ein Einkauf von seltsamen Säften, einer handvoll Instantkaffees und einer Schachtel Moods (wie ich schon sagte: Frischluftpausen) am Freitag. Kurze Buchselektion am Vorabend, genauso wie groben Schlachtplan. Oh, und natürlich der gescheiterte Versuch Freitagabend zeitig zu schlafen.
Nächster Punkt auf der Tagesordnung: Halluzinationen abwarten.
6 Uhr (42): Hallo, ich bin Bobbin. Bist du meine Großmutter? Ich glaube, ich bin irgendwo auf der Goldstraße falsch abgebogen und auf diesen Regenbogen geraten. Wow. Das ist ein voller Regenbogen. Unentwegt den Himmel entlang. Er ist so lebendig. Was hat er zu bedeuten? Oh mein Gott, was hat er nur zu bedeuten? Ich glaube für die Einstellung brauche ich jetzt wirklich langsam ein anderes Subjektiv. Irgendeins mit non-euklidischem Weitwinkel. Ich hab‘ zwar keine Ahnung, was ich dann damit tue – außer vielleicht die momentane Situation um 90 Grad in die Horizontale verlagern – aber es ist okay. Wenn ich hier nur wieder lebend rauskomme, dann machen wir uns auf die Reise zum Erdmittelpunk. Keine Panik, der mag zwar nach außen wie ein ziemlich kühler Typ erscheinen, aber soll auch echt heiß sein, wenn man ihm erstmal näher kommt. – Und überhaupt, wer hat da draußen, hinter meiner Fensterscheibe, das Licht angelassen? Ich war langsam sicher, dort wo das Glas aufhört, ist die Welt schon untergegangen und die Sonne dreht sich langsam um mich.
8 Uhr: Es ist geschafft. Wenn ihr mich entschuldigt, ich werde gleich für 6 bis 8 Stunden in einen abrupten Verlust meines Bewusstseins und phänomenalen Selbstmodells verfallen.
Aber zuletzt: Ist dies Dein erster Marathon & hättest Du Lust in Zukunft wieder mitzumachen? Was ist die erste Tätigkeit, die Du nach dem 24-h-Marathon erledigen wirst?
Ja. Ja. Schlafen.
Alle, die außer mir noch mit gemacht haben: ihr seid großartig; alle, die ich zumindest ein bisschen kennenlernen durfte in den kleinen Anekdoten und Fetzen von vierundzwanzig Stunden: ihr seid großartiger; alle, die es tatsächlich durchgehalten haben: da gehen mir auch schon die Worte aus.

Read Full Post »