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Archive for the ‘Persönliches’ Category

Auch wenn der Blog mittlerweile relativ tot ist, fiel mir irgendwie gerade meteoritenhaft ins Gedächtnis, dass ich darauf hinweisen könnte, dass ich momentan woanders schreibe, wo ein weiterer Blog etwas untoter.. weniger tot ist. Wow, das war ein Satz, der eindeutig zu lang war. Ich schreibe jedenfalls auf lessmetagaming.wordpress.com derzeit hier und da über Rollenspiele, Spielmechaniken und Spielspielerspielereien..spiele! Es geht um Spiele, okay? Don’t judge me.

Spaßige Randerkenntnis: wer per Animexx auf diesen Blog verwiesen wird, wird wiederum auf den nächsten Blog verwiesen. Ob ich es in den nächsten Jahren noch schaffe mich zu steigern?

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Mal wieder ein Eintrag seit Sonntag überfällig..
Ich bekam Post am Wochenende:

Transkription:

Kaixo!
Wunderschön hier, wirklich. Leider kaum Zeit, mir alles anzusehen.
Die Exkursion hält mich in Atem. Aber irgendwann komme ich als Touristin zurück. Be-schlossene Sache. Bist Du dabei?
Viele Grüße an von Balthasar, Habe ihm schon seine geliebten Angulas [Angulos?] besorgt.
Bis bald, Bea

Da ich meinen Freundeskreis recht gut überschauen kann, war mir relativ schnell klar, dass die Karte bei mir sicherlich an die falsche Adresse gegangen ist. Bis mir dieses ARG eingefallen ist, bei dem ich mich vor einer Weile angemeldet hatte.
Ein halbes Google später, habe ich dann auch die passenden Referenzen in anderen Blogs gefunden:
http://merzmensch.blogspot.com/2011/02/lederbeutel-und-nun-auch-postkarten.html
http://www.caromite.de/allgemein/mysteriose-postkarte/
http://www.darkelysium.com/index.php?/archives/490-Postkarte-von-Bea-und-Balthasar-aus-dem-Baskenland.html

Auffällig an meiner Karte, soweit ich es richtig sehe:
Keine durchgestrichenen Passagen.
Kein Poststempel.

Ich bleibe gespannt.

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Wo ich derzeit an der Sekundärliteratur zu meiner Hausarbeit sitze, fällt mir immer wieder auf wie faszinierend Beleidigungen und Seitenhiebe in Fachliteratur eigentlich sind. Als Student bin ich es ja grundsätzlich gewohnt, dass Autoren, besonders im geisteswissenschaftlichen Bereich, gerne in ihren Einleitung mit den Thesen ihrer Vorgänger aufräumen. In der Regel funktioniert das natürlich sachlich (denn wir schreiben ja alle sachlich und objektiv. Nicht wahr?) und auf Argumenten und Daten beruhend, wie in wissenschaftlichen Kreisen sein sollte. Diese Regeln gelten im 20. und 21. Jahrhundert meiner Beobachtung nach sogar noch stärker, da die Arbeitsweise der Wissenschaften immer weiter formalisiert und theoretisiert wird. Weniger nett gesagt: Die volle Beleidigungs- und Diskreditierungskanonade fällt schneller mehr Menschen auf. Also muss man elegant werden, wenn man zumindest ein wenig seine Meinung auslassen will.

Leichter fällt es Autoren da, wenn die Person schon lange tot ist, fiel mir vor ein paar Semestern schon auf. Ich las damals für eine Hausarbeit über Heinrich von Morungen einen wirklich sehr detaillierten und aufschlussreichen Text über die Betrachtung der Minnedame / Frauenfigur in seinen Liedern. Zumindest detailliert bis der Autor seine Aussage getroffen hatte und den Aufsatz innerhalb von zwei Absätzen schloss mit einem Satz, der so in etwa lautete:

Die restlichen drei Strophen sind ödes Minneblahblah von nicht nennenswerter Form und hier nicht mehr von Interesse.

Ich kann das Zitat zwar gerade nicht finden, aber es stand wirklich Minneblahblah drin. Hat mich damals sehr glücklich gemacht.

Die Text, die ich allerdings momentan lese, sind ganz großartig darin auszuteilen und dabei mehr oder minder die Form zu wahren.
Ein Satz, über den ich gestern gestolpert bin:

Der Gehirnzustandstheoretiker erwähnt gewöhnlich (mit einem gewissen Stolz, der ein wenig an den Dorfatheisten erinnert) die Inkompatibilität seiner Hypothese mit allen Formen des Dualismus und Mentalismus.

Hierbei handelt es sich eigentlich noch um ein sehr offensichtliches Beispiel(, dass übrigens deutlich weniger beleidigend ist als es beim ersten Lesen daherkommt.) Später noch gefolgt von:

Es ist nicht gänzlich unmöglich, dass solch ein Zustand gefunden werden wird.

Eine reizende Litotes, stilistisch gesehen. Lässt sich gut lesen als „Viel Erfolg dabei sowas zu beweisen.“
Und am Ende des Absatzes:

Aber das ist gewiss eine ehrgeizige Hypothese.

Lies: „Denn es wird wirklich eine Unmenge (vergeblicher) Arbeitsaufwand das zu beweisen.“
Aber meinen Favoriten bisher habe ich gerade eben gefunden:

Er benutzte dabei die kunstvoll erdachte theoretische Erfindung, die wir heute als eine Turing-Maschine bezeichnen.

Gut. Wirklich gut. Zum einen ist es gar nicht klar zu sagen, ob es wirklich eine „Beleidigung“ oder zumindest ein höflicher Wink mit dem Zaunpfahl ist. Ich paraphrasiere mal eben: Erfindung ist per se neutral bzw. positiv, keine Frage. Sie, die Erfindung, ist kunstvoll. Was nett klingt, kann aber, da wir hier von Wissenschaftlern (im Falle von Turing Mathematiker und Logiker) reden, eine ziemliche Ohrfeige sein. Wenn etwas kunstvoll ist, ist das je nach Verständnis in etwa das Gegenteil von einfach, klar und sparsam. Sie ist davon abgesehen erdacht, was an sich nicht falsch ist, aber in dieser Reihung von Adjektiven einen etwas schalen Beigeschmack bekommt. Und letztlich ist sie theoretisch, was auch korrekt ist. Aber theoretisch und erdacht und kunstvoll? Die Einzelteile sind alle nicht wirklich problematisch, aber zusammen schieben sie die Wertung in unheimlich abstrakte Sphären.

So in etwa als würde ich sagen: Diese Suppe ist wirklich gut. Sie hat einen säuerlichen Beigeschmack und einen Hauch von Zitrone und es sind Zitrusfrüchte drin.

Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein und muss meine Textwahrnehmung mit kleinen Lachern und Kapriolen über Wasser halten. Aber zum Thema Subtilität gibt es hier noch viel zu lernen.

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Ich hatte gerade wieder einen dieser vagen Realisationsmomente, die mir gelegentlich im Alltag begegnen. Ich höre meinen Gedanken zu, wie sie in ihrer typischen Mustern und Bahnen dahinkreisen und auf einmal fällt mir auf, dass sich das Gedachte gar nicht mit den wirklichen Umständen deckt.
Besonders bei festgefahrenen Denk- und Redensarten (oft mit Tendenz Sarkasmus / Ironie) stolpere ich dabei desöfteren. Ich war gerade wieder dabei die Produktupdateanfrage eines größeren Softwarekonzerns durchzuwinken. Die Sorte von Handgriff, die für mich, der den Computer und die Virtualität als eine Erweiterung seines Körpers und Geistes ansieht, so verdammt natürlich ist; doch gleichzeitig so unheimlich verbissen.
„Klar Adobe, sicher darfst du updaten. Oh natürlich lese ich mal eben deine AGBs, so wie bei jedem Update, denn ich habe ja eine Stunde Zeit dafür. Aber mach‘ dir keine Hoffnungen. Du kannst dich um meine Seele mit Microsoft, Facebook und Blizzard prügeln. Ich hab‘ gehört, die haben einen echt dreckigen Kampfstil drauf. Der Secret Boss ist übrigens Google, also geh besser schonmal grinden. Oh? Mein Erstgeborenes? Aber mal langsam, da musst du dich weiter hinten anstellen. Kann ich dich für Nummer Vier eintragen.“
Ich lache gerne unter Freunden über diese Floskeln. Es ist die ironische Übertreibung unseres Alltags. Und da ist es mir aufgegangen wie verflixte Schnürsenkel: diese maßlose Übertreibung ist eine Lüge.
Okay. Natürlich ist es eine Übertreibung. Sie ist auch nicht faktisch „wahr“. Immer, wenn jemand sagt „Hier bricht gleich die Hölle los“ oder „Das sind Dämonen, denen darfst du nicht trauen“ und all die anderen dezent christlich angehauchten Metaphern, ist es nicht wörtlich gemeint. Es will sagen: Sache xy ist böse; falsch; schlecht. Diese Redensarten sind zudem erstaunlich beliebt im Bezug auf heutige Megakonzerne im digitalen Sektor. Ich lasse mal offen stehen, woher diese Assoziationen kommen. (Wiegt Mark Zuckerberg eigentlich mehr oder weniger als eine Ente?)
Es ist auch jedem selbsterklärend klar, was die Kommunikationsbotschaft solcher Aussagen ist, wenn er den Code halbwegs versteht und vom Kontext auch nur den blassesten Schimmer hat. Ob es nun um besagte AGBs geht oder um die Erfassung meiner Person als Datensatz durch Facebook und Google. Numeratiblahblah. Die ganze Privatheit vs. Öffentlichkeit – Debatte.
Doch in diesem Fall – denke ich – stelle ich mir (und stellt ihr euch, falls auch euch ähnliches schon einmal durch den Kopf ging) selbst ein Bein und meine Wahrnehmung der Realität, mein Begriffsbewusstsein, legt sich auf die Fresse.
Womöglich ist Michael Seemann / mspro, dessen Blogeinträge zu einem neuen Bewusstein (und neuen Begriffen) gegenüber der Digitalität, die Initialzündung zu diesem schmalspurigen Gedankenfunken gewesen. (Sollte besagter Herr de facto völlig andere Ansichten und ich ihn missverstanden haben, bitte ich um Entschuldigung.)
Der Vergleich, große Konzerne als das höllische Böse abzubilden, hinkt (vielleicht. ein bisschen.) Und die Referenz auf den Seelenhandel kann, in meinem Augen, kaum laufen. Lasst mich analytisch ausbreiten, weshalb:
Der Seelenhandel mit einer übernatürlichen Macht ist ein Bild, das von zwei Aspekten getragen wird: Der Aufgabe des innersten Selbst – zum Tausch gegen einen Preis von ungeheurem Wert. Einer mit gegebenen Mitteln nicht erreichbaren Sache. Shaymin zum Beispiel.
Ob ein Apple Produkt, Software von Adobe oder Microsoft oder auch die Erlaubnis StarCraft2 spielen zu dürfen, solche Sachen von Wert sind, lasse ich einmal offen. Es fühlt sich vage so an als würde ich fragen, ob der Bademeister, der mich nicht in sein Schwimmbad lässt, weil ich mich nicht an seine Hausordnung halte, mich verdursten lassen will. Aber eigentlich würde auch das zum Diskussionspunkt taugen.
Entscheidend aber für mich: Wenn ich sage oder denke, sei es auch nur aus Gewohnheit, dass diese Konzerne meine Seele – was mich zu mir selbst macht – wollen, belügen ich mich dann nicht selbst? Beschönige ich den Ablauf des Handels nicht ganz gewaltig zu meinen Gunsten? Das Schachern um die Seele mit einem bösen Geist ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Das wissen wir von Goethe geschädigten Deutschen mehr als jeder andere (und vielleicht deshalb sind wir so affin für diese Wortwendung.)
Es ist nichts Persönliches an meinem Datensatz. Dem Handel von Softwarenutzungserlaubnis für Observations- und Erfassungsrechte. Es ist eine Menge von Informationen, die meine Person betreffen, aber es bin nicht ich selbst, der dabei eine Rolle spielt. Wichtig ist meine statistische Erfassung in einem Gesamtbild. Ich bin in dieser Ökonomie allein kein (ausschlaggebender) Mensch, sondern winzig klein.
Wenn ich glaube, meine Seele an den Teufel zu verkaufen bei diesen Klicks und Häkchen und Ok-Buttons, dann sonne ich mich wirklich in einem rosigen Licht. Es stimmt im Verhältnis zum eigentlichen Bild noch die Befürchtung, dass der Handel nicht lohnt und nach hinten losgehen wird. Aber womöglich sollte ich das nächste Mal, wenn ich meinen individuellen Wert für diese Informationsmaschinerie so derart beschönige, genau nachdenken, ob es nicht nur eine Redensart, sondern auch ein Trost ist.
Es mag ein banaler Gedanke sein. Aber auf der Suche nach Begriffen für die Gesellschaft (und das Individuum darin), welche die Realität des digitalen Zeitalters verkraften und erfassen können, wären solche Perspektivenwechsel nur ein kleiner Schritt. Doch ich denke, dass frisches Bewusstsein für eine Situation nicht mit den Monumentaldefinitionen anfängt – sondern dort, wo wir im Alltag denken und reden.

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Ich mache gerade meine erste Pause und dachte, dass ich die Gunst der Stunde nutze, um einen Blogeintrag zu diesem Tag anzulegen, den ich immerhin wieder status-esque Updaten werde.

Bisher lief alles vorbildlich. Um 7 Uhr auf Anhieb aus dem Bett gekommen und nach der Dusche Kaffee gekocht, um pünktlich um 8 mit meinem ersten Buch Gossamer von Lois Lowry begonnen (derzeit auf Seite 105 von 160). Leichtes Futter, da ich mir den schweren Stoff für Uhrzeiten vollständiger Wachheit aufhebe.
Da ich kein wirklich großer Fan von Statistiken bin (Oh, sieh‘ mal, ich habe schon 67% dieser Seite gelesen und während ich das ermittelt habe 37,8% des Inhalts vergessen. Auf lange Sicht extrapoliert, heißt das dass[…]) und in meiner Zeitrechnung bei stündlichen Aktionen von jeder Stunde noch bestenfalls 50 Minuten übrigbleiben (eine Meinung, die ich spätestens ab 22 Uhr über die Planke schicken werde, wenn Übermüdung und Trägheit eintritt), werde ich euch in regelmäßigen Updates an meinem Tagesablauf teilhaben lassen. Die ganzen kleinen Handgriffe und Nebensächlichkeiten, wenn ich heute gerade kein Buch in der Hand habe.
Im nächsten Update um 3: Warum Tofu dein Freund ist.
15 Uhr (30): Ich habe mittlerweile mein erstes Buch durch und es war ein angenehmer Einstieg. Ich habe weiterhin eine Schwäche für Bücher von Lois Lowry, auch wenn es Kinderbücher sind und ich vermutlich langsam aus dem Alter raus sein sollte. Sie haben schlichtweg etwas Faszinierendes an sich in ihrer Klarheit und auch in ihrem, manchmal sehr anstrengenden, Positivismus. Gerade in Gossamer ist mir wieder aufgefallen: Schlechte Menschen (oder Dinge überhaupt) bei Lowry werfen mit Schimpfwörtern um sich und haben Gewehre – Gute Menschen sind immer gelassen, verlieren fast nie die Fassung und es ist ihnen nie etwas Schlimmes widerfahren (außer durch schlechte Menschen. Mit Gewehren z.B.). Aber wie schon gesagt, es ist ein Kinderbuch und somit vermutlich.. nunja, nicht notwendig, aber zumindest angemessen.
Mittlerweile stecke ich Mitten in Prince of Stories, einer erzählenden Werksbiografie über Neil Gaiman, und vergnüge mich ganz großartig mit den Anekdoten und Hintergrundinformationen.
Ich nutze meine letzten zwanzig Minuten Pause aus, um mir eine der Fragen aus dem Lovely Books Blog vorzunehmen.
Wer bist Du und warum machst Du beim Read-a-thon mit?
Ich bin Marc, aber Namen haben ja bekanntlich nicht viel zu sagen. Ich bin Germanistikstudent im Endstadium (auch bekannt als Arbeitslosenlarve) und empfinde ein gehöriges Chili con Carne an Gefühlen für alles, was sich um Wort, Schrift und Sprache dreht. Ob es nun ums Lesen, eigenes Schreiben oder um Linguistik und Typografie geht. Auch schlicht (moment, wieso eigentlich schlicht?) das gesprochene Wort, Kommunikation, Rollenspiels und das Gefühl etwas nicht mit Worten sagen zu können und es doch zu müssen. Vierundzwanzig Stunden Lesen sehe ich als die Gelegenheit, mich mal wieder mit der Fähigkeit betraut zu machen, lange Zeit ohne Unterbrechungen und Zeitdruck zu lesen. So einfach ist das.
Aber Tofu. Wir müssen wirklich mal über Tofu reden.

Unbearbeiteter Tofublock aus dem Asiamarkt

Tofu ist dein Freund - es spricht sogar mit dir, wenn du genau hinsiehst.

Ich bin ja eigentlich überzeugter Fleischverzehrer und alles andere als auf dem Gesundheitstrip. Aber Tofu. Ungelogen eine dieser ergreifenden Entdeckungen aus dem letzten Jahr. Ich kannte es vorher aus asiatische Restaurants, in denen es meist als geschmacklose grenzgummierte Substanz daherkommt. Doch seit ich aus einer Laune heraus diese Substanz selbst mariniert und zubereitet habe bin ich der festen Überzeugung: Tofu ist dein Freund.

Fertig aus der Pfanne.

Schmeckt nicht "nach nichts", sondern wie du es dir wünschst.


Tofu ist nicht nur immer für dich da, wenn du es aus einem anständigen Asialaden gekauft hast (und nicht diesen schäbigen überteuerten Kautschukmüll aus dem Supermarkt). Es ist auch immer genau das, was du gerade brauchst. So ziemlich jede Mischung aus Kräutern, Ölen und Gewürzen, die ich bisher ausprobiert habe, bringt genau diesen Geschmack heraus. Es ist wie ein weicher hilfbereiter Geschmackabsorber.
Deshalb: Liebe dein Tofu so wie du später von ihm geliebt werden möchtest. Es lohnt sich.
20 Uhr: Ob nun Halbzeit oder Climax, bevor es dramatisch abwärts gen Katastrophe geht – es ist acht Uhr und ich bin nach (mehr oder minder) 12 Stunden lesen noch ziemlich fit.
Das Buch meines Vertrauens ist immer noch Prince of Stories, doch ich werde, sobald ich mit dem Kapitelkomplex über The Sandman durch bin, wieder zu einem fiktiven Text wechseln. Die weiteren 400 Seiten Metatext reizen mich gerade nicht so gravierend. Eine Geschichte, statt einer Geschichte über Geschichten, ist langsam wieder angebracht. Vermutlich ist das Mittel meiner Wahl hierbei Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt von Haruki Murakami, doch wie schon zuvor entscheide ich eher spontan.
Mein Lesestil ist weiterhin (und wie immer) ruhig und gemächlich, doch überraschenderweise fühlt es sich gar nicht ungewohnt an entgegen meines Alltag „nur“ zu lesen, statt in Intervallen.
Zeit für noch eine Frage: Welche Bücher nimmst Du mit in den Marathon und warum?

Die Waffen meiner Wahl


Ich habe mir vorher keinen Plan gemacht, welche Bücher ich lesen werde, sondern einen Stapel an Optionen am Abend zuvor aus den Regalen gegriffen, aus denen ich heute auswählen würde. Ich will nicht alle Bücher im Detail nennen (etwas mühselig und fadenscheinig), aber es sind einige Kinder- und Jugendbücher, größtenteils von Lois Lowry, zwei Bücher von Murakami (oben genanntes und Kafka am Strand) und andere gut verdauliche Belletristik dabei. Daneben auch ein paar eher wissenschaftliche Bücher (z.B. ein Lehrband zur Philosophie des Geistes hrsg. von Thomas Metzinger), falls mir danach sein sollte. Sprich, falls mich der Arbeitswahn packt, tatsächlich etwas zu lesen, dass ich lesen muss. Ja.. gute Theorie.. Ähm, jedenfalls; die Gründe dürften durchscheinend sein: Abwechslung. Möglichst viele Optionen bei der Hand haben ohne großartig danach suchen zu müssen.
3 Uhr: Irgendwie sind die letzten.. 4 Stunden Lesen in so etwa 50 Seiten versunken, was teilweise an Murakamis Schreibstil, teilweise an einer gerade sehr müden Phase meiner biologischen Extension liegt. Nebenbei war da noch irgendwo eine Stunde Abendessen. Mir fallen nicht einmal die Augen zu oder ich bin erschöpft, aber.. nunja, nachlassende Konzentration schraubt das Lesetempo runter und den Fokus auf das Gelesene hoch. Fühle mich gerade recht eins mit meinem Buch. (Nicht auf die Art, bei der mein Kopf in den Buchseiten liegt.) Aber vielleicht sind das auch einfach die bisher ~8 Liter Tee, die da sprechen.
Zeit für eine weitere Frage(, die ich gerade recht passend finde): Wie hältst Du Dich 24h lang für das Lesen fit – welche Vorbereitungen hast Du getroffen?
Mein „Fitnessprogramm“ folgt dem unerschütterlichen Quadrat von Fruchtsaft, Koffein (bzw. Teein), Frischluft und nervenzerstäubender Musik (Chiptune und Growl Metal). Außerdem versuche ich regelmäßig den Leseplatz zu wechseln, um mich nicht an einem Ort zu sehr einzuheimeln und die Atmosphäre zu verändern.
Ich habe mich nicht wirklich auf die Aktion vorbereitet. Eigentlich habe ich nur meinem Freundeskreis gesagt, dass sie sich gefälligst zum Teufel scheren sollen, diese Bastarde ich dieses Wochenende nicht zur Verfügung stehe und mich somit von der Außenwelt abgemeldet. Ein Einkauf von seltsamen Säften, einer handvoll Instantkaffees und einer Schachtel Moods (wie ich schon sagte: Frischluftpausen) am Freitag. Kurze Buchselektion am Vorabend, genauso wie groben Schlachtplan. Oh, und natürlich der gescheiterte Versuch Freitagabend zeitig zu schlafen.
Nächster Punkt auf der Tagesordnung: Halluzinationen abwarten.
6 Uhr (42): Hallo, ich bin Bobbin. Bist du meine Großmutter? Ich glaube, ich bin irgendwo auf der Goldstraße falsch abgebogen und auf diesen Regenbogen geraten. Wow. Das ist ein voller Regenbogen. Unentwegt den Himmel entlang. Er ist so lebendig. Was hat er zu bedeuten? Oh mein Gott, was hat er nur zu bedeuten? Ich glaube für die Einstellung brauche ich jetzt wirklich langsam ein anderes Subjektiv. Irgendeins mit non-euklidischem Weitwinkel. Ich hab‘ zwar keine Ahnung, was ich dann damit tue – außer vielleicht die momentane Situation um 90 Grad in die Horizontale verlagern – aber es ist okay. Wenn ich hier nur wieder lebend rauskomme, dann machen wir uns auf die Reise zum Erdmittelpunk. Keine Panik, der mag zwar nach außen wie ein ziemlich kühler Typ erscheinen, aber soll auch echt heiß sein, wenn man ihm erstmal näher kommt. – Und überhaupt, wer hat da draußen, hinter meiner Fensterscheibe, das Licht angelassen? Ich war langsam sicher, dort wo das Glas aufhört, ist die Welt schon untergegangen und die Sonne dreht sich langsam um mich.
8 Uhr: Es ist geschafft. Wenn ihr mich entschuldigt, ich werde gleich für 6 bis 8 Stunden in einen abrupten Verlust meines Bewusstseins und phänomenalen Selbstmodells verfallen.
Aber zuletzt: Ist dies Dein erster Marathon & hättest Du Lust in Zukunft wieder mitzumachen? Was ist die erste Tätigkeit, die Du nach dem 24-h-Marathon erledigen wirst?
Ja. Ja. Schlafen.
Alle, die außer mir noch mit gemacht haben: ihr seid großartig; alle, die ich zumindest ein bisschen kennenlernen durfte in den kleinen Anekdoten und Fetzen von vierundzwanzig Stunden: ihr seid großartiger; alle, die es tatsächlich durchgehalten haben: da gehen mir auch schon die Worte aus.

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Ich sehe heute morgen aus dem Fenster, das ganze Bild sinkt so in mich ein wie es in letzter Zeit eher an mir entlangperlt, und mir wird vom einen Moment auf den anderen klar: Scheiße, es ist nicht mehr Sommer.

Das nur einmal als kontextungebundener Einstieg, den ich erwähnt haben wollte.

Wer bei mir gelegentlich ein- und ausgeht, der weiß, dass ich seit Anfang des Jahres im Besitz eines Whiteboards bin, das dabei helfen soll die Gedanken und Daten aufzufangen, die aus meiner leckgeschlagenen Nussschale von Gehirn regelmäßig herauszufallen drohen.

Wer bei mir gelegentlich ein- und ausgeht, der kann – in einigen Fällen mehr, in anderen (leider) weniger – dem Drang nicht widerstehen sich einen Marker zu nehmen und irgendwelches Zeug auf die weiße Wand zu werfen. Nebenher kommen noch diverse Sätze, Notizen und Zitate dazu, die ich meinerseits dorthin verbanne, obwohl sie keinen wirklich praktischen Nutzen für mich haben.

Ich notiere sie seit zwei drei Monaten mit, bevor sie verschwinden.

Ich dachte mir, es wäre ein Jammer diese Fetzen Realität verschüttgehen zu lassen, wenn ich jeden Monat das Board einmal blankziehe. (Aus Gründen des schönen Scheins lasse ich übrigens alle Weisheiten weg, die sich auf Titten, Penisse und sonstige Geschlechtsteile beschränken. Ebenso wie die Dokumentation von Zeichnung derselbigen. Meine Einträge sind so schon lang genug. Echt jetzt.)

Nun denn. Juni 2010.

Selbstgeschriebenes:

Anpassung – Bedeutung / Vagabondage / Die mentale Repräsentation der Prolepse und ihre Relation zum Leben ist der Ursprung aller Frage nach der Daseinsberechtigung. Jede Daseinsberechtigung strebt nach einer Existenzgrundlage. / Days without. / Eisenschamane. Eisenspäne. Magnetenwahrsager. / Moment, für die Einstellung brauche ich ein anderes Subjektiv. / I wouldn’t say I killed the mood. More like, tortured it and impaled it letting it bleed to death in the sun. / CLM. Career limiting move. /

Ich wache in einem Traum auf

als Du und Ich aus unsrem Fenster

in die Welt hinausblicken

und ungeheure Seepferdchen Algennester

in der versunkenen Skyline bauen /

The cake is a pie

everything else is a lie!

You can’t die deny

and neither do I. /

Fremdgeschriebenes:

Das zweite X-Chromosom schickt der Teufel.

Juli & August 2010.

Selbstgeschriebenes:

Ich finde es ungeheuerlich so ungemein den Körper zu vergiften, dass ich keine Ahnung davon haben. (oder Angst?) / und dann vollführte er einen Trick, für den es keinen Sinn gab / 8-bit-Pixel Punk / burn down tomorrow (please.)

Fremdgeschriebenes:

Skateboard! / Come aboard our Wayne Train and we’ll go all the way to the Whateverest. / Buenos amigos som como la sombre! Cuando hoy sol estau contigo

Zitate:

In bed above we’re deep asleep

while greater love lies further deep

this dream must end this world must know

we all depend on the beast below /

(Dr. Who Fünfte Staffel, the beast below)

rattle his bones

over the stones

it’s only a pauper

who nobody owns /

there’s time to work

and time to play

and time to dance

the macabray

(Beides aus Neil Gaiman, The Graveyard Book)

Whiteboard Ende. Fürs Erste.

Eine Sache, auf die ich (mal nicht in eigener Sache) noch hinweisen wollte, ist eine über das Internet verbreitete Aktion, über die ich vor einigen Wochen gestolpert bin: den sogenannten Read-a-thon (Versteht ihr? So wie in read a ton – lies ’ne Menge und gleichzeitig eine Abwandlung von Marathon ahahahaaa…ha *rimshot*, okay hab mich wieder.); eine dieser virtuellen Gruppenaktivitäten, bei denen alle gemeinsam irgendetwas allein tun. Um es in meinen Worten zu sagen.

Die Sache ist eigentlich selbsterklärend: Alle „Teilnehmer“ lesen an den angesetzten Tagen (bzw. dem Tag) vierundzwanzigstundenlang. Wahlweise äußert man sich in Pausen oder wenn man spontan die Fähigkeit zu lesen vergisst (ein meines Erachtens nach nicht unwahrscheinliches Szenario) im Medium Internet über den Verlauf der persönlichen Odyssee. Wie ich es beispielsweise in diesem Blog und auf Twitter zu tun gedenke.

Ich bin recht angetan von dieser Idee. Als ein Mensch, der ich zwar leidenschaftlich und studiumsbedingt Viellesender bin, doch dessen Art des Lesens sich gerade in den letzten Jahren wohl am Besten mit der Futtern von Snacks beschreiben lässt. In Bussen, Bahnen. Auf dem Gang bis zur nächsten Vorlesung. Kleine Portionen von einer halben Stunde oder bestenfalls anderthalb Stunden, die lange im Kopf nachwirken, aber nicht viel Platz und Zeit in Anspruch nehmen. Informationsbündel.

Genau deshalb werde ich bei der Idee mitmachen. Als NaNoWriMo-Teilnehmer muss ich ja angenehmerweise im Antworttext nur ein paar Ausdrücke ersetzen, wenn mal wieder jemand fragt: „Aber was macht es für einen Sinn? Du kannst es doch an jedem anderen Tag genausogut machen. Wer kontrolliert das denn? Wirklich zusammen macht ihr das ja nicht wirklich, das ist dir schon klar?! Was bringt dir das?“ (Willkommen im Internet, du Ansammlung von Zellen, denen das alles nichts bringt.)

Vielleicht hast du ja auch Lust dir vierundzwanzig Stunden deines Jahres von ein paar Büchern stehlen zu lassen. Womöglich ist es ein Wahnsinnsritt für deine Aufmerksamkeitsspanne und dein Selbstverständnis. Oder dir ist langweilig. Oder es ist einfach noch zu viel Kaffee da. Oder der Trophyserver deiner Lieblingskonsole ist down UND OHNE KANNST DU NICHT SPIELEN WO BLEIBT DENN DA DER SINN?! Oder das Mädel, von dem du dachtest, dass sie dich nur zum Spaß und weil es sie heiß macht da angekettet hat, hat dir nur einen Stapel Bücher dagelassen, die dich vor der Isolation und dem Hunger bewahren können. Moment. Hörst du das? Hat sie in der Küche den Wasserhahn nicht ganz zugedreht?

Tropf.

Tropf.

Tropf.

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Vor einigen Wochenenden spielte sich ein weiteres Mal ein Debakel ab, das sich in etwa alle zwei bis drei Monate in meinem Umkreis ereignet:

Wir – das waren in diesem Fall Lars& Ich – waren auf der Suche nach einem Multiplayergame für den Nintendo DS, das uns den Abend / die Nacht über beschäftigen würde. Schon beim früheren Runden dieser Art waren wir recht entgeistert über die Leere an spielbaren kooperativen Multiplayerspielen für den DS (und einige andere Konsolen..). Optimisten, die wir sind, hoffen wir jedoch stets auf neue Offenbarungen, die sich im letzten Vierteljahr in die Spielelisten gewagt haben.

Das mag auf Anhieb nach einer naheliegenden Hoffnung klingen, ist aber alles andere als das. Es ist erschreckend unwahrscheinlich ein Spiel zu finden, das sich gemeinsam spielen lässt, dabei reibungslos funktioniert und gleichzeitig den Interessen aller Mitspieler (Genre des Spiel, System des Spiels etc.) genügt.

Aber vorerst einige Grundüberlegungen.

Der Nintendo DS kommt – wie es meiner Ansicht nach bei einer aktuellen Handheldkonsole auch sein sollte – als leicht miteinander zu verbindendes Gerät daher, dass schnelle und dynamische Interaktion verspricht. Wi-Fi-Connection springt dir aus jeder Werbung entgegen. Spiele mit deinen Freunden. Touch Generations.

An dieser Stelle muss ich natürlich zwischen Konsole und darauf realisierten Spielen trennen. Nintendo bietet mit den kabellosen Verbindungsoptionen des DS – ob nun lokal oder per wireless lan – eine leicht  zu bedienende und verständliche Grundlage für die Verbindung mehrerer Geräte. Gerade die lokale Option in einem ~5 Meterradius funktioniert ganz ausgezeichnet und ist so anspruchslos, das sie selbst meine 7- und 10-jährigen Schwestern bedienen können. (Ganz im Gegensatz  zu ihren Eltern.) Das Prinzip: Knopf drücken. Verbindung abwarten. Erfolg. – Keine Konfigurationen, keine Abfragen.

(Verbindung per wireless lan ist da eine höhere Schwierigkeitsstufe btw..)

Die für den DS erscheinenden Spiele sind dagegen ein ganz anderes Thema. Ich würde soweit gehen zu sagen, sie stammen aus einer anderen Dimension. Ich habe leider keine Referenzen oder Ahnung, wie der Lizenzierungsprozess eines Spiels für den DS abläuft; doch die Fülle an völlig miserablen Spielen in der 20€-Klasse, die Kinder mit Hundewelpen und der Phrase „Mein/e eigene/s/r __“ ködern, sprechen hier wohl für sich. Es ist offenkundig nicht Pflicht für ein Spiel die Funktionen des DS auszunutzen, erst recht nicht sie gut umzusetzen und in das Spielerlebnis einzubinden. Eine fehlende Qualitätskontrolle, die ich eigentlich wünschenswert fände. Mir ist jedoch ebenso bewusst, dass solche Ansprüche nicht den Profit erhöhen würden und lizensierter Müll, der sich verkauft, sicherlich eine fließende Einnahmequelle ist.

(Übrigens eine nicht unwichtiges Nebenproblem: Der DS präsentiert sich (und ist) über weite Strecken mehr als Spielzeug-, statt als Spielekonsole.)

Die Form – der Nintendo DS – ist folglich meist nicht das Problem, sondern der Inhalt – das Spiel.

Meine naivste Annahme wäre: Ein System, das mir verspricht ein Spiel gemeinsam zu spielen, ermöglicht es mir, das Spiel, welches ich sonst allein spiele, gemeinsam zu spielen. Das mag redundant und überflüssig klingt, sei aber als Einstieg gesagt.

Diese Annahme scheitert aber nicht erst an der Realität des DS, sondern aller Computer, Konsolen und sonstigen Maschinen, die mir gemeinsames Spiel versprechen. Das, was sich unter der Bezeichnung Multiplayer etabliert hat, ist in der Regel nicht das Spiel mit mehreren Spielern – es ist eine Variante des Spiels, die sich mit mehreren spielen lässt. Ich stelle mir, seit mein kindliches Ich mehr und mehr zum Gamer geworden ist, die Frage, weshalb es so oft Auszüge oder Abwandlungen des Spiels sein müssen – und nicht einfach das Spiel. Wenn ich sehe, dass Secret of Mana (Seiken Densetsu 2 für euch Uber-authentische) noch heute wie der Ursprungsmythos aus einem verlorenen Zeitalter durch die Gespräche von RPG-Fans geistert, dann fühle ich mich mit dieser Perspektive nicht allein.

„Warum hatte es keinen Zweispielermodus?“, ist noch heute eine Wortlaut, der mir zu alten SNES-Spielen über die Zunge geht wie „Warum konnte ich sie nicht lieben?“

Aber ich muss eine Einschränkung hinterherschicken, die ich vermutlich hätte voranstellen sollen: Natürlich gibt es jede Menge Spiele, bei denen sich Einzel- und Mehrspielermodus praktisch gleichen. Rennspiele und Beat ‚em ups kommen mir da in den Sinn. Spiele, deren Ablauf einen sehr begrenzten Rahmen hat, der immer aufs Neue wiederholt wird. Selbige erfreuen sich auch einer ganz gewaltigen Beliebtheit, wenn es um das gemeinsame Spielen an PC und Konsole geht.

Ich bin primär Rollenspieler. Werde ich auch immer bleiben. Selbst wenn das, was sich in der digitalen Realisierung Rollenspiel nennt, den Rollenspieler in mir oft weinen macht. Etwas heißt heute in der Videogamerealisierung oft „RPG“, wenn der Spieler in regelmäßigen Zeitschritten (z.B. nachdem ich 9000 Gegner abgeschlachtet habe) ein „Level up“-Zeichen über dem Kopf bekommt und sich entscheiden kann, ob er einen Punkt in Wert a oder Wert b setzt; nicht etwa erst, wenn es eine dynamische Erzählweise gibt, in der ich die Entscheidungen meines Charakters / meiner Spielfigur fälle und das Spiel inhaltliche Konsequenzen daraus zieht, die wiederum mit mir interagieren. Ein Problem, das nicht nur mich beschäftigt, aber hier auch wieder nicht das Thema.

Doch genau diese Art Spiel, die langfristige Sorte mit einer Spielzeit von mehreren Stunden oder Tagen – das oft sogenannte RPG – verweigert sich meist vollkommen der Möglichkeit es gemeinsam mit anderen zu spielen. Außer in der Variante, die ich mal liebevoll als sozialen Couch non-coop bezeichnen würde: Einer spielt und der/die andere/n sitzen dabei, machen dumme Witze über das Spiel, philosophieren über das Geschehen und unterstützen mit Guides. Wo ich herkomme, hat sich auch das Verb „Bezocken“ dafür etabliert.

Es gibt ihn nicht, den cooperativen Modus für solche Spiele. Die gemeinsame Geschichte. Es gibt ihn nicht auf dem DS. Ich kann die Spiele, welche diesem Element genüge tun auf den meisten Konsolen an einer Hand abzählen. Das Gleiche gilt für den DS. Es ist enttäuschend, denn der DS bringt alle Grundlagen mit sich, die dazu von Nöten sind. Einfachste Konnektivität, simple Konfiguration und vermutlich auch eine Spielergemeinschaft, welche solche Titel unterstützen würde. Letzteres ist natürlich nur meine Überzeugung aus SNES-Kindertagen und denkt sich mit einer Randgruppe und nicht dem Markt ™.

Aber „Multiplayerelement“ bedeutet leider etwas anderes auf dem DS. Fluff pieces, würde mein Hirn dazu sagen. Kleine putzige Einwegelemente. 5-Minuten-Minispiele. Gemeinsamer Zeichenchat. Nachrichten auf niedlichem Briefpapier mit Sternchen und Häschen. Mit Glück ein tatsächlich nützliches Feature wie die Interaktion von gleichzeitig aktiven DS-Spielen oder das Tauschen von Spielinhalten, welche einen Vorteil verschaffen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Eine Konsole mit den Vorraussetzungen des Nintendo DS hätte mehr gemeinsame Geschichten verdient. Gemeinsame Erlebnisse. Andauernde Interaktion. Keine hübschen Schnittstellen.

Da dies sicher nicht im großen Stil geschehen wird, braucht es vielleicht eine Seite / Community, welche diesen schmalen Pfad zumindest austritt und dokumentiert. DS-bezogen mit verschiedenen Multiplayerkategorien (Fluff, Multiplayerlevels, Teil-Coop, vollständiger Coop etc.) getaggt und bewertet.

http://www.co-optimus.com/ ist in dieser Richtung ein wirklich geniales Archiv, das mir viel mühselige Sucherei erspart hat, aber vielleicht würde auch eine spezielle Nischenseite auf Resonanz stoßen.

Und zu guter Letzt (, weil ich bisher viel gelabert und wenig gesagt habe) ein kleine Liste mit meinen Favoriten, was es das kooperative Spielen auf dem DS angeht.

Somabringer – vor einigen Jahren als „Das Secret of Mana des DS, welches Secret of Mana für den DS nicht ist“ gehandelt. Eines der beste RPGs für den DS, das ich je gespielt habe, und mit einem makellosen vollständigen Co-op-Modus versehen. Action-RPG mit vielen Freiheiten zur Gestaltung der Charakterfertigkeiten mit (was auch sonst) völlig linearer leichtfüßiger Story. Dementsprechend natürlich bisher nur in Japan erschienen und nicht in Aussicht im Westen publiziert zu werden. Dankbarerweise gibt es für die entsprechende ROM ganz ausgezeichnete Übersetzungspatches.

Children of Mana – das erste und einzige RPG der Seiken Densetsu-Reihe für den DS. Als enttäuschend und mittelmäßig beurteilt, obwohl die Essenz sich der Kritik meines Erachtens nach reduzieren lässt auf „Es ist nicht Secret of Mana“. Für mich ein großartiges Spiel mit sehr gradlinigem liebenswertem Design und sehr kreativen Möglichkeiten, das Spiel auf unterschiedliche Arten und Weisen zu spielen. Bemerkenswert finde ich den Verzicht auf ein ausdifferenziertes statisches Fähigkeitensystems zu Gunsten von sehr weiten Modellierungsmöglichkeiten der einzelnen Waffen und ihrer Funktionen. Auch hier ist ein tadelloser Co-op der vollständigen Sorte enthalten, der mir schon einige Nächte lang großen Spaß bereitet hat.

Phantasy Star Zero – für mich die Co-op-Offenbarung des letzten Jahres. Leider – soweit ich weiß – ebenfalls eher mäßig beachtet. Ein spaßiges Action-RPG, das sich sehr angenehm mit zwei oder mehr Mitspielern nutzen lässt. Der Co-op ist nicht richtig vollständig, da sich nur Levels / Missionen spielen lassen, die im Singleplayer bereits abgeschlossen oder erreicht wurden. Doch selbst unter diesen Umständen ist das Zusammenspiel sehr unterhaltsam, wenngleich eher auf die Art und Weise eines diablo-like RPGs.

From the Abyss – ein so minimalistischer Dungeoncrawler, dass er mich manchmal richtig glücklich macht, wenn ich nicht gerade die Geduld mit ihm verliere. Ein Teil von mir möchte sagen, das Spiel sei gradlinig, klassich und tough – der andere Teil nennt es monoton und grind-lastig. Der Co-op, welcher das Spiel tatsächlich 1:1 abbildet, macht das teilweise nicht besser. Es spielt sich wie zweimal der Einzelspielermodus auf derselben Oberfläche. Keine geteilten Erfahrungspunkte.  Kein Wiedereinstieg in die Runde, nach dem K.O. des Charakters, sondern Neustart. Auch keine Heil- und Wiederbelebungseffekte, die man auf den anderen Spieler nutzen könnte. Lästige Ticks wie der erzwungene Wechsel des Levelabschnitts für alle Spieler, wenn einer den Abschnitt wechselt. Oh, und – soweit ich es vor unserer Kapitulation vor diesen Hindernissen gesehen habe – kein gescheites Speichern der zusammen bestandenen Levels (durch Wegpunkte o.ä.); aber vielleicht haben wir dafür auch nur nicht weit genug gespielt.

Hier endet auch schon die Liste, die ich aus dem Gedächtnis heraus anbringen kann. Womöglich fallen mir noch einige Titel ein, die ich später anfügen werde.

Vielleicht fallen euch noch nennenswerte Spiele ein?

Und vielleicht kommt auch einfach ein gutes kooperatives Rollenspiel für den Nintendo DS raus. Vielleicht erzählt es uns gemeinsam eine gute Geschichte. Aber auch nur vielleicht.

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